28.09.2011 Mittwoch  Neue Strömungsretter im Landkreis Mühldorf

Nun gibt es sie auch in Mühldorf: Strömungsretter der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft.

Die Ereignisse in den letzten Jahren in Europa und der Welt haben gezeigt, wie groß der Bedarf an einer effektiven und gut ausgebildeten Einsatzkomponente für schnell fließende Gewässer ist, so z.B. bei den Überschwemmungen an Elbe und Donau im Jahr 2002, beim Tsunami Ende 2004 in Südostasien, aber auch beim letzten großen Inn-Hochwasser 2005 im Landkreis Mühldorf.

Ein normalerweise ruhiger Bach oder Fluss kann bei einem Unwetter schnell zu einem reißenden Gewässer werden, in dem ein klassischer Motorrettungsbooteinsatz nicht mehr möglich ist. In verschmutztem, mit Treibgut und versteckten Gefahren  durchsetztem Gewässer kann (und darf) auch ein Rettungsschwimmer nach bisherigen Standards nicht mehr eingesetzt werden.

Angelehnt an den amerikanischen Swiftwater Rescue Technician (SRT) hat die DLRG in Deutschland vor einigen Jahren ein Konzept entwickelt, um die ehrenamtlichen Fachkräfte noch besser in diesem Bereich zu schulen. Der DLRG-Strömungsretter ist ein auf stark strömende Gewässer, Wildwasser und Hochwasser spezialisierter Wasserretter. Er wird grundsätzlich im Team eingesetzt und ist durch eine spezielle Schutzausrüstung vor den besonderen Gefahren in Flüssen und Hochwassergebieten geschützt.

Im September haben erfahrene Wasserretter der DLRG Oberbayern den anspruchsvollen Lehrgang zum Strömungsretter  erfolgreich abgeschlossen. Darunter auch Mitglieder des Mühldorfer Stützpunktes der DLRG Taufkirchen (Vils). Die Theorie fand in der neuen DLRG-Wache am Münchner Fasaneriesee statt, die Praxis übten die Lebensretter an der Tiroler Ache bei Schleching (Landkreis Traunstein).

„Ein Hochwasser kann auch bei uns selbst kleine Flüsse und Bäche zu schnell fließenden Gewässern machen und für Wasserretter ohne spezielle Ausrüstung und Ausbildung zu einer Gefahr werden“, so Ralf Waidmann, Leiter des Mühldorfer Stützpunktes und Ausbilder in der DLRG. „Vor allem hier im Landkreis Mühldorf haben wir gleich mehrere Fließgewässer, welche eine entsprechende Gefahr mit sich bringen. Viele Laien unterschätzen die Kraft und die Gefahr, die selbst die Isen entwickeln kann.“

In der Ausbildung zum Strömungsretter ist einerseits der Umgang mit technischen Hilfsmitteln (Seile, Greifzüge, etc.) beinhaltet, andererseits aber das körperliche Leistungsvermögen des Rettungsschwimmers stärker als in anderen Ausbildungen in den Vordergrund stellt. Die Verantwortung eines Strömungsretters sich selbst, seinen Kameraden und den zu rettenden Personen gegenüber macht ein dauerhaftes und konsequentes Training nötig. Neben dem regelmäßigen Üben von technischen Abläufen sind eine gute Kondition und gute schwimmerische Fähigkeiten unerlässlich.

Die Aufgaben der Strömungsretter

  • Rettung von Menschen aus schnell fließenden Gewässern (Flussrettung, Wildwasser, Hochwasser) im Rahmen von Einsätzen der Schnellen Einsatzgruppen (SEG), im Katastrophenschutz oder in Verbindung mit der Luftrettung.
  • Mitarbeit bei der Evakuierung und Rettung aus schlecht zugänglichen Hochwassergebieten, wo ein Einsatz mit Hubschrauber nicht möglich und mit dem Boot zu gefährlich ist. Hier muss verstärkt mit technischen Hilfsmitteln (Greifzügen, Seilbrücken, Rafts) – auch in Zusammenarbeit mit technischen Rettungsdiensten, wie dem Technischen Hilfswerk (THW) oder der Feuerwehr, gearbeitet werden.
  • Absicherung von technischen Einheiten beispielsweise bei Deich- oder Dammsicherungsmaßnahmen.
  • Sucheinsätze an und in Fließgewässern einschließlich der Absicherung anderer Rettungskräfte
  • Absicherung von Sportveranstaltungen an natürlichen oder künstlichen Fließgewässern
  • Rettung und Bergung aus schlecht zugänglichen Bächen und Uferbereichen
Kategorie(n)
Pressemitteilungen, Ausbildung

Von: Alexander Fendt

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